John Maynard Keynes

The analysis was in terms of a single national economy. What is desperately needed now is a rewrite in terms of the world economy." (John Maynard Keynes's General Theory of Employment, Interest and Money, 1936)

Dienstag, 19. November 2013

Wie wichtig ist Bildung für Wachstum?

Die Kurzantwort lautet: ein kritischer Faktor, aber er kann auch überschätzt werden.

"Die Zeit" verordnet Indien mehr Bildung, um im Wettbewerb mit China zu bestehen.  McKinsey sieht für das Jahr 2020 einen Mangel von 30 - 40 Millionen Hochschulabsolventen bei einem Überschuss von 95 Millionen unzureichend qualifizierten Arbeitskräften. Aber Bildung ist Teil eines Ganzen und sollte nicht als Universalrezept betrachtet werden.

Die folgende zwei Diagramme sagen mehr als 1000 Wörter:

Wenn eine Gesellschaft wächst und einen Bedarf an Qualifikation formuliert, dann findet sie auch Wege, Möglichkeiten und Finanzen, notwendige Investitionen in das Humankapital vorzunehmen. Umgekehrt dürfte dies nicht der Fall sein, bessere formelle Ausbildung führt nicht automatisch zu mehr Wohlstand.
Die Bedeutung der Milleniumsziele (Ziel 2: Grundschulbildung für Alle) liegt vielleicht auch darin, dass Bildung erstmalig als ein allgemeines Recht der Teilhabe an der Gesellschaft, als Mindeststandard der globalen Wirtschaft formuliert wurde. Die Entwicklungshilfe ist hier, wie auch im Gesundheitswesen, viel erfolgreicher als beim Generieren von Wertschöpfung am Boden der globalen Wertschöpfungspyramide.

Eine Ursache mag die unzureichende Praxisorientierung der Ausbildung sein. Zwar sagen laut einer globalen Umfrage 70 % der Ausbildungsinstitute, dass sie für den Arbeitsmarkt qualifizieren, aber nur 50 % der Arbeitgeber und Absolventen teilen diese Meinung. Nur eine Minderheit der Unternehmen steht im kontinuierlichen Kontakt mit dem Bildungssystem. Das stellt gerade die etwas 80 fragile und zerfallende Staaten vor Herausforderungen: Wenn es keine nennenswerte Wirtschaft gibt, dann nützen formell besser qualifizierte Arbeitskräfte wenig. Deutschland unterstützt seit 20 Jahren die jemenitische Berufsbildung mit Resultaten, die kontrovers beurteilt werden

Ein anderes Phänomen besteht in Südkorea. Sein Bildungssystem hat einen Wendepunkt erreicht. Einerseits erreicht das Land bei den PISA-Tests  und den Fähigkeiten junger Erwachsener (16-24 Jahre) Spitzenpositionen, hat den höchsten Anteil an Studenten innerhalb der OECD-Staaten, wobei 13 % der Studenten (!) im Ausland studieren. Andererseits hat das Bildungsfieber, die kompromisslose Orientierung auf Multiple-Choice hohe soziale Kosten ("Die Zeit", "Der Spiegel").  Die Jugend ist überqualifiziert, ältere Arbeitnehmer sind unterqualifiziert (The Economist). Der Grenznutzen des bestehenden Systems nimmt ab, es ist teilweise ein "social wasteful zero-sum game."
Quelle
 
Ein weiteres Phänomen ist, dass (globale) Elitenbildung in den USA andere Faktoren wie eine abnehmende Anzahl der Studenten kompensiert. Es wird gesagt, dass eine mittlere deutsche Hochschule besser als eine mittlere amerikanische Hochschule ist. Dies hängt natürlich auch mit der Struktur der Wirtschaft zusammen: die USA ist die globale Innovationsmaschine, Deutschland hat führende Positionen in mittelständischen Unternehmen, bei der Anwendung von neuen Basistechnologien. Das unterschiedliche Anforderungsprofil erschwert die Vergleichbarkeit von Bildung enorm. Bei jeder Art von Generalisierung sollte dies Beachtung finden.

Ein Bekenntnis zu mehr Bildung ist auch in Deutschland Konsens. Nicht unbedingt muss es schlecht sein, wenn  Politiker darüber Lippenbekenntnisse abgeben, aber den Worten nicht sofort Taten folgen lassen. Die Anzahl misslungener Bildungsreformen übersteigt die Anzahl der Erfolge deutlich. 



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