John Maynard Keynes

The analysis was in terms of a single national economy. What is desperately needed now is a rewrite in terms of the world economy." (John Maynard Keynes's General Theory of Employment, Interest and Money, 1936)

Sonntag, 9. November 2014

25 Jahre nach dem Berliner Mauerfall endet ein 100-jähriger historischer Zyklus. Was kommt nun?



In einem Leitartikel schrieb die New York Time am 11. November 1989

"Crowds of young Germans danced on top of the hated Berlin Wall Thursday night. They danced for joy; they danced for history. They danced because the tragic cycle of catastrophe that first convulsed Europe 75 years ago, embracing two world wars, a holocaust, and a cold war, seemed at long last to be nearing an end." (Eine Menge junger Menschen tanzten auf der verhassten Berliner Mauser am Donnerstag Abend. Sie tanzten aus Freude, sie tanzten für die Geschichte. Sie tanzten, weil ein tragischer Zyklus von Katastrophen, der  Europa vor 75 Jahren erschütterte , der zwei Weltkriege, den Holocaust und einen kalten Krieg umfasste, letztlich, so schien es,  seinem Ende entgegen ging.)

Heute dominiert die Sichtweise, dass dieses glückliches  historisches Ereignis das Resultat eines ideologischen Kampfes ist, Recht siegte gegen Unrecht, bürgerliche Moral über kapitalistische Anmassung, individuelle Initiative über Umverteilung, Demokratie über Diktatur, unternehmerische Freiheit gegen staatliche Bürokratie, individuelle Schaffenskraft gegen Gruppenzwang  und Privateigentum bewies seine höhere Effektivität im Vergleich zum Volks- oder Staatseigentum. Im Kampf der System bewiesen die freien und globalen Märkte ihre Überlegenheit gegenüber dem Aufbau des Sozialismus in einem Land.

Eine systemische Herausforderung bestand nun nicht mehr. Wie Georg Wilhelm Friedrich Hegel 1806 den idealen Staat in Preußen erreicht sah, so verkündet Francois Fukuyama 1992 aus den USA vom Ende der Geschichte, denn Freiheit, Demokratie und Unternehmertum waren alternativlos geworden. 

Fraglos ist, dass der Sozialismus nicht sein Wohlstandsversprechen einlösen konnte. Der Osten des Deutschlands, auf dessen Territorium später die DDR entstand, hatte 1936 eine höheres Pro-Kopf BIP als Westdeutschland. Kriegszerstörung und Reparationen hatten ihren Anteil, aber schon früh war auch den Verantwortlichen klar, dass es mit dem Automatismus bei der Überlegenheit der neuen Gesellschaft durchaus Fragen gab. Nicht zuletzt war der Mauerbau Ausdruck der Ohnmacht, dass die Realität sich nicht nach den Theorien richtete und dass ein Minimalziel - Stabilisierung der DDR - allemal besser war, als sich in unbekannte Gewässer der politischen Instabilität zu begeben. Eine Einschätzung, die weitestgehend auch im Westen geteilt wurde, so dass man zähneknirschend den Unruhen 1953,  dem ungarischen Aufstand 1956 und dem Prager Frühling 1968 tatenlos zusah. 

Im Umkehrschluss bedeutet der Verweis aber auch, dass für die 72 Jahre des real existierenden Sozialismus das Wohlstandsversprechen einer freien, demokratischen, auf Privateigentum beruhenden Gesellschaft unzureichend war. Der Kapitalismus erfüllte sein Wohlstandsversprechen nicht. Der politische Konsens neigte sich 1917 in einem Staat, Russland, einer Alternative zu. Angesichts der konkreten Herausforderungen und täglichen Erfahrungen waren Diktatur, Staatseigentum, eingeschränkte Eigentums- und Freiheitsrechte das geringere Übel. Das alternative politische System war über diesen langen Zeitraum weitestgehend legitimiert und der Gesellschaftsvertrag zwischen den Eliten, der Ideologie und dem Volk hielt.  

Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs der Sozialismus zu einer globalen Systemherausforderung. Es entstand ein globales asymmetrisches Gleichgewicht, von der Wirtschaftsleistung bis zur militärischen Stärke. Über viele Jahrzehnte war der Gewinner unklar und - wie oft im Leben - eine bewusste Entscheidung für dieses oder jenes System konnte plausibel nicht beantwortet werden, war Zufall. Noch Ende der 1980-er Jahre konnte man in vielen amerikanischen Lehrbüchern der Volkswirtschaft von den höheren Wachstumsraten des Sozialismus lesen. Die Situation schloss viele  Absurditäten ein, vom Symbol der  der geteilten Stadt Berlin bis zum Tausendfachen militärischen Overkill. 

Das 25-jährigen Mauerjubiläum sollte Anlass sein, dass in Deutschland die Marktwirtschaft ihr Wohlstands- und Sicherheitsversprechen einlöst.  

Vorbei und vergessen? 

Keineswegs. Seit der Jahrtausendwende mehren sich die Hinweise, dass sich ein 100-jähriger Zyklus wiederholt.  Autokratisch regierte Schwellenländer holen auf, die Demokratiewelle flaute ab. Zugleich sinken Wachstumszahlen im Westen, die Realeinkommen stagnieren für die Mittelschichten seit Jahrzehnten. 85 der reichsten Menschen verfügen über soviel Vermögen, wie 3.5 Milliarden Menschen. Es ist Klassenkampf, lautet der klassische Ausspruch von Warren Buffet, und diesmal gewinnen wir. 

Ein Indiz für einen 100-jährigen Zyklus zeigt die folgende Grafik: 1917 erfolgte bei der sozialen Ungleichheit ein Pendelumschwung, nicht zuletzt verursacht von Katastrophen des Ersten Weltkrieges und, nebensächlich oder nicht, der oft zwiespältigen und unentschlossenen Haltung der USA und der Wall Street im Umgang mit der kommunistischen Regierung in Moskau. Das wohl wichtigste Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges war der Massenwohlstand und das Entstehen der Konsumgesellschaft. In historischer Sicht war dies weniger der Eingang in das wirtschaftlicherParadies eines steten und stabilen wirtschaftlichen Wachstums als eine Goldene Periode, deren Grundlagen in vorangegangenen Verwüstungen geschaffen worden war. Nun wächst seit mehreren Jahrzehnten die Ungleichheit wieder, beschleunigt vom Fall der Berliner Mauer. Auch der Gegendruck wächst , von der Occupy-Bewegung bis zur Piketty-Euphorie und der Überlastung der Institutionen, den zunehmenden internationalen Krisen im Rahmen der bestehenden Weltordnung Herr zu werden. 


Es benötigt nicht viel Vorhersagekraft, auf einen zukünftigen Pendelumschwung zu verweisen und damit den Startschuss für einen neuen Zyklus.   

Wie und wann wird er erfolgen? 

Berlin feiert zu Recht das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls. 2 Tage bestand eine Lichtgrenze aus 8000 Leucht-Ballons. Heute um 19.00Uhr entschwand diese Lichtmauer in den Himmel und die Dunkelheit war von einer Million feiernder Menschen geprägt. 

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